EU-Klimaschutz großes gesellschaftspolitisches Experiment EU-Kommission beziffert Kosten bis 2050 auf 11 Billionen Euro / Gründliche Analyse steht immer noch aus / Unverantwortlicher Ansatz
An den langfristigen Ideen der EU-Kommission zum Klimaschutz gibt es deutliche und grundsätzliche Kritik aus dem Europaparlament. "Die Kommission hat eine gründliche Analyse versprochen. Die steht weiterhin aus. Wir wissen noch nicht, was zusätzliche Klimaschutzmaßnahmen wirklich kosten und bringen. Die Kostenschätzungen der Kommission jedenfalls sind astronomisch. Ich halte es für unverantwortbar, ein solches gesellschaftspolitisches Experiment ohne wirkliche Entscheidungsgrundlage durchzuführen zu wollen", sagte der Vorsitzende des Industrie- und Energieausschusses des Europaparlaments, Herbert Reul (CDU). EU-Klimakommissarin Hedegaard nennt in ihrem "Fahrplan für eine kohlenstoffarme Wirtschaft 2050", den sie heute vorstellen will, jährliche Klimaschutzinvestitionen von 270 Milliarden Euro pro Jahr für die EU. "Zusammengerechnet ergäbe das für die kommenden 40 Jahre die unvorstellbare Summe von fast 11 Billionen Euro. Die gleichzeitigen Einsparungen durch bessere Energieeffizienz sind ebenfalls nur geschätzt. Das kann keine seriöse Klimapolitik der EU sein", so Reul. Der CDU-Europaabgeordnete gibt den international vergleichsweise geringen Anteil der EU an den weltweiten CO2-Emissionen zu bedenken. "Selbst wenn sich die EU akribischste Energieeffizienzziele verordnen und in den Alltag der Menschen durchregieren sollte, würde das wenig bis keine Wirkung auf den Klimaschutz haben, wenn gleichzeitig immer mehr Stahlwerke und Kohlekraftwerke in Indien, China und Brasilien dampfen." "Die Klimaschutzpolitik der EU sollte auf Anreize und den schlauen Konsumenten bauen, anstatt feste Vorgaben zu machen. Was starre und unausgegorene Ziele, deren Folgen nicht durchgespielt wurden, bewirken können, ist derzeit sehr anschaulich am Chaos um den vermeintlichen Öko-Sprit E 10 in Deutschland zu sehen", sagte der Vorsitzende des Industrie- und Energieausschusses.
aktualisiert von Redakteur, 08.03.2011, 13:46 Uhr |